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Mattheis, wie es nicht jeder kennt

Veröffentlicht in Hintergruende

Matthias Abtei im Mittelalter
Holzschnitt der Abtei um 1600
Das „Altmattheiser Wunderbuch“ eine 1948 erschienene, 374 Seiten umfassende Veröffentlichung, herausgegeben von Pater Johannes Hau von der Benediktinerabtei St. Eucharius/St. Matthias, übermittelt uns aus der Zeit des glaubensstarken Mittelalters Begebenheiten, Geschehnisse, Vorfälle und Ereignisse „inniger und kerniger Frömmigkeit“ aus dem Kreis der Pilger, die seit Jahrhunderten nach St. Mattheis kamen. Danach pilgerten alt und jung in frommer Begeisterung zum einzigen Apostelgrab nördlich der Alpen sowohl aus den rheinischen Ländern, aus Flandern, Belgien und Holland, auch aus Lothringen, aus dem Elsaß und der Schweiz, aus Württemberg, Bayern und Kärnten, aus Ungarn, sie kamen von Mitteldeutschland und aus den östlichen Gebieten von Polen und Litauen nach St. Mattheis.

Das „Altmattheiser Wunderbuch“ beschreibt in über 350 Einzelberichten den Verlauf der Wunderheilungen bei Krankheiten, unter denen die „Geißeln des Mittelalters“ die großen Seuchen, vornehmlich die Pest, eine Rolle spielten.
So heißt es z.B. an einer Stelle, daß im Jahre 1636 Dietrich Megell aus Gelsdorf, Kreis Ahrweiler, sowie seine Frau Agnes und seine Töchter Helena und Katharina auch von dieser Krankheit erfaßt wurden, so daß sie befürchteten, in kurzem wie etliche Nachbarn zu enden. Die Krankheit wirkte sich so aus, daß sich die Menschen in ihrer Verzweiflung das Leben nahmen, ins Wasser liefen oder ins Feuer, andere legten Hand an sich. Darum gelobte Herr Dietrich im Namen aller dem heiligen Matthias, wenn er sie vor solchem Elend behüte und zur früheren Gesundheit zurückführe, so wolle jeder von ihnen ein halbes Pfund Wachs vor seinem Reliquienschrein persönlich aufopfern. Sobald er dieses Gelübde getan hatte, wurden alle vier so frisch und gesund, daß sie vom Krankenlager aufstehen konnten. „In Dankbarkeit traten sie kurz darauf die Wallfahrt nach Trier an“ .

Der schwarze Tod
Der "schwarze Tod"

Die Pest, eine Infektionskrankheit die in verschiedenen Formen nicht nur im Mittelalter auftrat, bewirkte ein Massensterben in Deutschland und einen Bevölkerungszusamrnenbruch. Seinerzeit hatte Triers Bevölkerung so abgenommen, daß mehr Soldaten als Einwohner hier lebten. Der Rat erließ strenge Verordnungen und Verhaltensmaßnahmen zur Abwehr und Bekämpfung der Seuche. Danach wurde auch zur Absonderung von Kranken verschiedene Häuser zur Aufnahme und Pflege eingerichtet. „Estrich“ ist z.B. eine Gründung der Abtei. Hier fanden die unheilbar Kranken eine Aufnahme. Hier wurden sie auch von den Mönchen der Abtei gepflegt und unterhalten, die damit ihrer Regelverpflichtung zur Armenpflege nachkamen. Nach der überlieferung bestand das Leprosenheim Estrich seit dem 13. Jahrhundert für vom Aussatz befallene Männer und Frauen. Mit dem Versiegen des Aussatzes im frühen 13. Jahrh. wurde das Leprosenheim zu Estrich leer. Zuletzt hatte der „Hofmann“ von Estrich bzw. dessen Frau für die Kranken gekocht. Mit Klingel und Korb sammelten sie in der Stadt Almosen. Hierfür hatte der „Klingelmann“ freie Wohnung in Estrich und neben einem Anteil an dem eingesammelten Gut auch noch die Grundstücksnutzung. Heute berichten nur noch vergilbte Blätter von jener Zeit. Die letzten baugeschichtlichen Zeugnisse in Estrich sind einer modernen Hotelanlage gewichen.