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Apostelreliquie in Trier?

Veröffentlicht in Hintergruende

Grab des Apostels in der St. Matthias Basilika, Trier
Grab des Apostels in der St. Matthias Basilika, Trier

Der Apostel Matthias († ca. 63) war Schriftgelehrter und ist derjenige Apostel, der von den verbliebenen elf Aposteln ausgewählt wurde, um Judas Ischariot nach dessen Verrat und Selbstmord zu ersetzen (Apostelgeschichte 1:23-26). Der überlieferung nach erlitt er in Kolchis den Märtyrertod.

Klemens von Alexandria schrieb in seinen Schriften, Buch VI, Kapitel XIII über ihn:
Nicht dass sie als Apostel auserwählt wurden aufgrund hervorragender Eigenschaften ihrer Natur, denn auch Judas war zusammen mit ihnen auserwählt. Aber sie waren dazu fähig Apostel zu werden, weil sie durch Ihn auserwählt wurden, der sogar die letzten Fragen vorhersieht. Matthias, dementsprechend, der nicht zusammen mit ihnen auserwählt war, zeigte sich würdig, ein Apostel zu werden, ist Ersatz für Judas.

Trierer Legenden zufolge soll die römische Kaiserin Helena (* 248 / 250 in Drepanon, † vermutlich am 18. August 330 in Nikomedien/Izmir, Mutter des römischen Kaisers Konstantin) den Bischof Agritius beauftragt haben, neben anderen wertvollen Reliquien auch den Leib des Apostels Matthias nach Trier zu überführen.

Man habe die Reliquien aufgrund der unruhigen Zeiten bei den Gräbern der ersten Trierer Bischöfe Eucharius, Valerius und Maternus begraben (d.h. im Bering von St. Matthias).
Dann seien sie in Vergessenheit geraten. Erst Kaiser Heinrich III. habe um die Mitte des 11. Jahrhunderts Kunde davon erhalten. Bei Nachforschungen sei man auf das Grab gestoßen, habe dem Kaiser einige Reliquien überlassen (sog. Erste Inventio), das Grab jedoch wieder verschlossen.

Soweit der Bericht über die überführung (Translatio) und die erste Erhebung (Inventio) der Matthiasreliquien in Trier. Die Klärung der dargestellten Vorgänge führt in komplizierte kirchenpolitische Zusammenhänge. Tatsache ist, daß eine besondere Verehrung des Apostels vor dem 11. Jahrhundert in St. Matthias nicht nachweisbar ist. Einziger Patron war bis dahin St. Eucharius.

Krypta der Matthias Basilika, Trier
Krypta der Matthias Basilika

Diese Entdeckung hatte für die damalige Zeit eine viel größere Bedeutung als wir uns das heute vorstellen können, denn die Heiligenverehrung bildete einen Mittelpunkt christlichen Lebens. Deshalb kam die Auffindung des Apostelgrabes einer Sensation gleich und die Nachricht davon verbreitete sich schnell im ganzen deutschsprachigen Raum - von Bayern über Schwaben und das Rheinland bis nach Flandern und Brabant.
Bald kamen aus allen Teilen des Hl. römischen Reiches deutscher Nation Pilger nach Trier zum einzigen Apostelgrab diesseits der Alpen. Die Mönche des Euchariusklosters, dessen Name sich mit der wachsenden Bedeutung der Pilgerfahrten allmählich in "Matthiaskloster" änderte, bauten zügig an ihrer großen neuen Kirche - dieser Bau bildet heute noch den Kern der St.-Matthias-Basilika in Trier.

20 Jahre nach der Wiederauffindung des Matthiasgrabes kam auf Einladung des damaligen Erzbischofs und Kurfürsten Albero in Trier der Papst selber mit seinem ganzen Gefolge für drei Monate nach Trier und weihte in dieser Zeit am 13. Januar 1148 die neue Kirche und in dieser Kirche den Hauptaltar und den Altar am Grab des Hl. Matthias. Zum Gefolge des Papstes Eugen III. gehörte der spätere Heilige Bernhard von Clairvaux, der große Klosterreformer und Kreuzzugsprediger, der zusammen mit 16 Kardinälen sowie zahlreichen Bischöfen und Erzbischöfen an der Kirchweihe teilnahm. Kurz gesagt -diese Kirchweihe und die Weihe eines Altares über dem Matthiasgrab waren damals ein weltbewegendes Ereignis.

Seit dieser Zeit ist der Strom der Pilger zum Apostelgrab in Trier nie mehr völlig abgerissen, wurde wohl in Notzeiten wie dem 30jährigen Krieg oder der französichen Revolution zu einem kleinen Rinnsal, das aber wieder anschwoll, sobald ungehinderte Pilgerfahrten möglich waren. Von Anfang an schlossen sich die Pilger nach ihrer Heimkehr von Trier zu Matthias-Bruderschaften zusammen, die meist engen Kontakt zu den Mönchen am Apostelgrab hielten.

Die historische Forschung bestreitet das Vorhandensein von Matthiasreliquien in Trier. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, daß die Abtei St. Matthias das Zentrum der Verehrung des Apostels Matthias wurde und blieb!