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Güße aus Trier

Veröffentlicht in Bruderschaftliches

Mehr als 140 Gruppen (Bruderschaften und Pilgergruppen) werden auch 2006 nach St. Matthias pilgern. Die ersten Pilger waren schon da. Am 2.Februar kamen Schülerinnen der Abiturklasse der Ursulinenschule in Köln in St. Matthias an.
Drei Tage war die Gruppe bei teils sonnigem Winterwetter in der Eifel unterwegs. Seit einigen Jahren hat sich diese „Tradition“ an dem Kölner Gymnasium gebildet. Das ist eine von vielen Gruppen, die in den letzten Jahren Geschmack an der Wallfahrt gefunden haben.

Brunnenkreuz, Freithof St. Matthias Die meisten der 140 Wallfahrten haben allerdings eine längere oder sehr lange Tradition. Einige Bruderschaften sind schon 200, 500 oder gar 800 Jahre alt bzw. jung. Im Auf und Ab der Zeiten haben sie immer wieder jene Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart finden können, die eine Tradition lebendig und attraktiv sein lässt.

Die Pilger kommen zum überwiegenden Teil aus den Bistümern Köln, Aachen und Trier. Die meisten kommen aus der Umgebung von Mönchengladbach, Neuss und Krefeld. Andere stammen aus dem Raum Aachen, Jülich, Köln, Bonn und der Eifel. Pfarreien aus der näheren Umgebung von Trier kennen eine Tradition von Tages- oder Nachtwallfahrten. Viele Gruppen gehen den Weg hin und zurück. Die Wallfahrten dauern zwischen vier und neun Tage. Da kommen leicht bis zu 300 Km und mehr zusammen. Jede Wallfahrt hat ihr eigenes Gesicht und ihre eigene Tradition. Das gilt nicht nur für die Bruderschaften, die seit Jahrhunderten den Weg nach Trier gehen.

Hinter alldem verbirgt sich ein enormes Engagement. Damit die Pilger überhaupt den Weg beginnen können, muss vieles vorbereitet werden. Monate lang sind hochmotivierte Leute damit beschäftigt, die geistlichen Akzente der Wallfahrt zu setzen, die sich aus dem biblischen Jahreswort ergeben. Sie überlegen zum Beispiel, welche Gedanken und Anregungen für die Wallfahrt wichtig sein könnten und welche Lieder nicht fehlen sollten. Einige von ihnen haben sich in den „Biblischen Tagen“ in der Abtei schon mit den Fragen befasst und den Austausch mit den „Kollegen“ aus anderen Bruderschaften genutzt. Andere kümmern sich um den nötigen logistischen Fragen. Quartiere müssen besorgt und der Kontakt zu den zahllosen Gastgebern in der Eifel gepflegt werden. Vor allem die Gruppen, sich unterwegs selbst verpflegen, wissen die Mühe zu schätzen, die dabei aufgewandt werden muss.

Im vergangenem Jahr waren auch wieder die Motorradpilger, angeführt von echten Fußpilgern aus Wegberg. Mit den Jugendpilgern aus Kaldenkirchen kam auch eine Reitergruppe, die mit ihren acht Pferden nach St. Matthias zogen..

Die Bruderschaftstage 2005 – Treffen der Pilger jeweils an einem Sonntag - haben in Bad Honnef, Elsdorf, Jünkerath, Erkelenz und Schiefbahn stattgefunden. Die Beteiligung war mit insgesamt ca. 750 Teilnehmern erfreulich hoch. Im Mittelpunkt des Vormittags stand wie immer die Bibelarbeit. In diesem Jahr ging es um das Alte Testament, seine Entstehung und seine Botschaft. Mit der Versammlung der Delegierten aus den fünf Pilgerbezirken (Rur, Eifel, Schwalm-Niers, Niederrhein, Mittelrhein) ging das Pilgerjahr zu Ende. In Zahlen bedeutet das: 5805 Fußpilgerinnen und Pilger. 613 davon waren jugendliche Pilger.

Dazu gesellten sich noch 1687 Buspilger; die meisten von ihnen sind ehemalige Fußpilger. 536 Erwachsene und 264 Jugendliche freuten sich, als ihnen am Schrein des Apostels das Erstpilgerabzeichen überreicht wurde.

Seit dem Beginn der Matthiaswallfahrt haben sich die Mönche der Abtei um die Pilger gekümmert. Die Gottesdienste mit den Wallfahrern gehörten ebenso dazu wie deren Betreuung und Bewirtung. Nach der Aufhebung des Klosters in den Jahren zwischen 1803 und 1922 haben die Pfarrer der neu errichteten Pfarrei diese Aufgaben wahrgenommen. Als die Abtei 1922 wieder von Mönchen aus Seckau und Maria-Laach besiedelt wurde, war es für sie selbstverständlich, die Betreuung der Pilger als einen der spezifischen Dienste der Abtei zu gestalten. Einer der Brüder ist als Pilgerpfarrer mit dieser Aufgabe betraut. Dazu zählt zunächst der Kontakt mit den Gruppen, während sie in Trier sind. Hinzu kommen zweimal im Jahr Versammlungen der Verantwortlichen in den fünf Bezirken, ebenso die Leitung der Bruderschaftstage. Im Frühjahr hält er Schulungswochenenden in der Abtei und gibt die Texte für die Wallfahrt heraus.

Br. Hubert Wachendorf OSB In Trier hat sich 1987 eine eigene Bruderschaft gebildet, die sich um die Bewirtung der Pilger in den Räumen des Pfarrzentrums kümmert. An die 50 Männer und Frauen engagieren sich in dieser durchaus zeitintensiven und anstrengenden Arbeit, die sie sich zur Ehrensache gemacht haben. Im vergangenen Jahr waren das ca 3500 Bewirtungen. Viele Pilger nutzen auch gerne die Angebote der Gastronomie. Ohnehin müssen die allermeisten in Pensionen und Hotels in Trier und Umgebung übernachten.

Das beginnende Pilgerjahr steht unter einem Wort des Propheten Jesaja: „ICH BIN DER HERR, DEIN ERLÖSER, DER DICH AUF DEINEN WEG FÜHRT“. Die beiden Pilgerzeiten im Frühjahr und im Herbst werden in allen Gruppen unterschiedlich vorbereitet. Hier zeigt sich die Vielfalt der einzelnen Wallfahrten. Jede hat ihr eigenes Gesicht.

Br. Hubert Wachendorf OSB, Pilgerpfarrer